„Hab Geduld mit allen Dingen, aber besonders mit dir selbst.“ – Franz von Sales
„Geduldig sein ist nicht meine Stärke.“
Vielleicht kommt dir dieser Satz bekannt vor. In meinem Praxisalltag höre ich ihn oft – und jedes Mal erkenne ich darin auch einen Teil von mir selbst.
Geduld war lange nicht meine Stärke. Und ehrlich gesagt: Manchmal ist sie es bis heute nicht.
Mit 24 Jahren bekam ich von einem Tag auf den anderen starke Rückenschmerzen. Von heute auf morgen war nichts mehr, wie es vorher war. Ich wollte nur eines: wieder gesund sein. Und zwar sofort. Nicht in ein paar Wochen, nicht in Monaten – jetzt.
Also probiertest du alles aus, was dir gut gemeint empfohlen wird. So habe auch ich es getan. Therapie um Therapie. Übung um Übung. Hoffnung um Hoffnung. Ich wollte meinen Körper „reparieren“, damit ich wieder Sport treiben, funktionieren und mein altes Leben zurückhaben konnte.
Doch die Schmerzen blieben.
Woche für Woche.
Monat für Monat.
Jahr für Jahr.
Mit jeder erfolglosen Behandlung wuchs meine Verunsicherung. Meine Enttäuschung. Und irgendwann auch meine Erschöpfung. Ich wurde müde vom Suchen, vom Kämpfen, vom ständigen Hoffen. Die Rückenschmerzen waren inzwischen chronisch geworden – und nichts schien wirklich zu greifen.
Schliesslich entschied ich mich, mich mit meinem steifen, unbeweglichen, schmerzenden Rücken abzufinden. Nicht aus Stärke – sondern aus Erschöpfung.
Der Moment, in dem sich etwas veränderte
Die wirkliche Wende kam erst, als ich aufhörte, auf all die gut gemeinten Ratschläge von aussen zu hören – und stattdessen begann, meiner inneren Stimme Raum zu geben.
Ich, mein damaliger Lebenspartner (dem ich dafür bis heute sehr dankbar bin) und auch mein Umfeld lernten, mit meiner sogenannten „Leistungseinschränkung“ umzugehen. Von aussen betrachtet war das sicher kein idealer Zustand für eine sportliche Frau Mitte zwanzig. Doch innerlich wurde mein Leben ruhiger. Stimmiger.
Warum?
Weil ich mich mit meinen Schmerzen versöhnte.
Weil ich nach rund fünf Jahren aufhörte, gegen meinen eigenen Körper zu kämpfen.
Und weil ich begann, meine Sichtweise zu verändern.
Von
„Gefahr – das will ich nicht!“
zu
„Mein Körper hat eine Botschaft für mich.“
Die Schmerzen verschwanden nicht vollständig. Auch die Unbeweglichkeit im Rücken blieb teilweise bestehen. Und doch: Es liess sich gut leben damit. Mein Nervensystem beruhigte sich. Ruhe kehrte in meinen Alltag ein.
Nach und nach fand ich heraus, was mir guttut – und was meine Schmerzen verstärkt. Ich begann, nach meiner eigenen Befindlichkeit zu leben und jeden Tag so zu nehmen, wie er gerade war. Ohne zu drängen. Ohne zu vergleichen.
So lernst auch du – ganz automatisch – geduldiger zu werden. Hinzuhören. Die Sprache deines Körpers zu verstehen.
Wenn du aufhörst zu kämpfen, entsteht Raum
Mein innerer Waffenstillstand mit den Schmerzen – das Aufgeben des Kampfes gegen mich selbst – schuf Raum. Platz für Neues. Und diese Leere will gefüllt werden. Nicht durch Anstrengung. Nicht durch Wollen. Es geschieht einfach.
Das Leben – oder wenn du magst, die Synchronizität des Universums – führt dich mit Menschen zusammen, die dich auf eine andere Art unterstützen können. Menschen, die dich erinnern. Die dich begleiten. Die dich nicht reparieren wollen.
Doch eines ist entscheidend:
Deinem Körper zuzuhören gelingt nur in der Ruhe.
Ohne diese Erfahrung würde ich heute vermutlich noch immer als kaufmännische Angestellte in einem Büro arbeiten. Stattdessen darf ich heute Menschen dabei unterstützen, wieder Zugang zu ihrer inneren Weisheit zu finden. Mein Leben hat dadurch eine völlig neue Richtung eingeschlagen. Schritt für Schritt. Stein für Stein. Puzzleteil für Puzzleteil.
Wenn die Seele den Körper schickt
Ein innerer Dialog begleitet mich schon lange. Ich kenne seine Quelle nicht – doch er beschreibt für mich sehr treffend, wie unser System funktioniert:
„Geh du vor“, sagt die Seele zum Körper,
„auf mich hört sie nicht.“
„Gut“, sagt der Körper,
„dann werde ich krank – dann hört sie zu.“
Manchmal werden wir nicht krank, sondern verunfallen oder verletzen uns. Endlich haben wir eine Legitimation, langsamer zu werden, uns Zeit für uns zu nehmen, innezuhalten.
Doch was geschieht dann oft?
Du findest es mühsam. Du fühlst dich gestresst, weil du so schnell wie möglich wieder funktionieren möchtest. Zurück in den Alltag. Zurück an den Arbeitsplatz. Und genau deshalb findest du nicht die Ruhe, um wirklich zu erkennen, warum du aus dem Verkehr gezogen wurdest.
Diese geschenkte Zeit gönnst du dir nicht. Ungeduld übernimmt das Steuer. Du kämpfst gegen Symptome – nur um wieder in genau jene Tagesordnung zurückzukehren, die dich aus dem Gleichgewicht gebracht hat.
Versteh mich bitte richtig: Auch ich finde Schmerzen alles andere als angenehm. Und auch ich lerne weiterhin dazu.
Dein Körper arbeitet für dich
Dein Körper ist nicht gegen dich.
Er steht auf deiner Seite. Immer.
Er tut alles, um dich zur Vernunft zu bringen. Um dich zurück auf deinen ganz persönlichen Weg zu führen. Darauf kannst du dich verlassen.
Ungeduld entsteht oft dort, wo du Heilung ins Aussen delegierst. Wo jemand anderes dich gesund machen soll. Wo es sich unsicher anfühlt, still zu werden und dir selbst wirklich zuzuhören.
Viele Menschen bleiben lieber in bekannten Strukturen – selbst wenn diese ihnen längst nicht mehr guttun. Die Komfortzone zu verlassen, fühlt sich zuerst unbequem an. Doch ohne Veränderung im Inneren verändert sich im Aussen nichts.
Ein Hexenschuss oder ein Bandscheibenvorfall sind für mich keine Tragödie. Sie sind Hinweise. Zeichen dafür, dass Umstellungen anstehen. Körperliches Training ist wichtig – doch es reicht nicht. Es braucht auch Veränderung in dir.
Manchmal auch im Aussen.
Doch jeder Veränderung im Aussen sollte eine innere Umstellung vorausgehen.
Und dafür braucht es etwas, das wir oft unterschätzen:
Geduld.
Mit allem, was ist.
Und vor allem: mit dir selbst.
Ein letzter persönlicher Gedanke
Zum Schluss möchte ich noch etwas teilen, das untrennbar zu meiner Geschichte gehört.
Als ich aufgehört hatte zu kämpfen und wieder Raum entstehen durfte, führte mich die Synchronizität des Universums zu Walter Packi und zur Biokinematik. Nicht, weil ich aktiv danach gesucht hätte – sondern weil es an der Zeit war.
Diese Begegnung fühlte sich sofort stimmig an. Zum ersten Mal ging es nicht darum, meinen Körper zu korrigieren oder zu reparieren, sondern ihn zu verstehen. Zusammenhänge zu erkennen. Mich selbst in meiner Ganzheit wahrzunehmen.
Dieser Weg war ein entscheidendes Puzzleteil – nicht nur für meinen Rücken, sondern für mein gesamtes Verständnis von Heilung und Leben. Und letztlich auch für das, was ich heute weitergeben darf.
Vielleicht beginnt Heilung genau dort, wo du aufhörst zu kämpfen – und anfängst, dir selbst geduldig zuzuhören.