Wenn es einen selbst erwischt
Dieses Mal kein neuer Klient.
Nein – dieses Mal hat es mich selbst erwischt. Rückenschmerzen. Hexenschuss.
Nach einem wohltuenden Entspannungsbad schoss es mir plötzlich ins Kreuz.
Von einer Sekunde auf die andere konnte ich mich nicht mehr vollständig aufrichten.
„Kein Problem“, sagte ich mir zuversichtlich.
„Mit Hilfe der Biokinematik wirst du in ein paar Stunden wieder beweglich sein.“
Weit gefehlt.
Seit zwei Tagen bin ich nun meine eigene Klientin. Ich trainiere intensiv Biokinematik-Übungen, beobachte genau, wo es klemmt und welche Bewegungen Erleichterung bringen.
Für einmal ist der Spiess umgedreht.
Meine Familie unterstützt mich liebevoll, motiviert mich beim Üben und erinnert mich daran, dranzubleiben.
Eine spannende Selbsterfahrung.
Nicht nur körperlich – auch innerlich.
Denn wenn man selbst betroffen ist, erlebt man sehr deutlich, wie eng körperliche Reaktionen und innere Prozesse miteinander verbunden sind.
3. Tag
Meinem Rücken geht es deutlich besser.
Heute Morgen beim Schuhe anziehen hatte ich meine Bewegungseinschränkung fast schon vergessen.
Doch dann machte ich eine unkontrollierte Bewegung – und „die Hexe schoss“ erneut ins Kreuz.
Autsch, verd…!
In diesem Moment wurde mir wieder bewusst, wie schnell man im Alltag vergisst, dass der Körper noch nicht vollständig bereit ist.
Ich bin froh, dass ich mich entschieden habe, diese Woche meine Bewegungslektionen – nicht nur die Biokinematik-Kurse – abzusagen. Mir Zeit zu lassen. Gut zu mir zu schauen.
So kann ich mich ganz meinem eigenen biokinematischen Training widmen.
Selbsterfahrung eben … 😉
Neu für mich war eine andere Erfahrung:
Wenn ich in die Hocke gehe, komme ich vor Schmerzen kaum mehr hoch.
Es fühlt sich an, als würden meine Muskeln – genauer gesagt die Muskelketten – nicht richtig reagieren. Offenbar habe ich mir angewöhnt, eher passiv aus der Hocke hochzukommen. Dadurch werden die Muskelketten nicht wirklich aktiviert.
Am eigenen Körper habe ich nun erfahren, wie wichtig es in einer solchen Situation ist, das Körpergewicht bewusst auf die Zehenballen zu verlagern und die Zehen aktiv in den Boden zu drücken.
Eigentlich das A und O in der Biokinematik.
Erst dadurch werden die Muskelketten wieder aktiviert. Waden- und Oberschenkelmuskulatur arbeiten automatisch mit – und ich kann nahezu schmerzfrei aufstehen. :-))
Im Moment setze ich mein theoretisches Wissen der Biokinematik direkt am eigenen Körper in die Praxis um.
Sozusagen dank meines Hexenschusses kann ich trainieren, experimentieren und beobachten – um das, was ich selbst erfahre, später noch verständlicher an meine Klientinnen und Klienten weiterzugeben.
Schluss
Seit dem „Schuss“ in meinen unteren Rücken sind inzwischen zwei Wochen vergangen. Bereits letzte Woche konnte ich wieder sämtliche Bewegungslektionen – nicht nur meine Biokinematik-Kurse – ohne körperliche Einschränkungen oder Schmerzen geben. Dafür bin ich sehr dankbar.
Meine Klientinnen und Klienten reagierten ganz unterschiedlich auf mein Erlebnis. 😉
Mein Beispiel zeigt, dass auch ich und mein Körper ständig in Bewegung sind. Auch ich bin vor solchen Zwischenfällen nicht gefeit – was einige meiner Kursteilnehmenden offensichtlich beruhigte.
Der Unterschied zu manchen meiner Klienten liegt vermutlich darin, dass ich verstehen kann, weshalb es zu diesem Hexenschuss gekommen ist. Deshalb lasse ich mich davon nicht aus der Ruhe bringen. Ich arbeite mit dem Schmerz und beobachte, welche Übungen Erleichterung bringen – und schliesslich zu einer nachhaltigen Verbesserung führen.
Schmerzen zeigen letztlich nur eines:
Irgendetwas in der Geometrie des Körpers ist aus dem Gleichgewicht geraten.
Nicht mehr.
Und nicht weniger.
Der Schmerz weist nur darauf hin, dass der Körper wieder Ordnung sucht.