Der voll bepackte Rucksack
In meiner Praxis begegne ich vielen Menschen, die ihren voll bepackten Rucksack mit Altlasten überallhin mitnehmen. Kein Wunder erleben sie ihr Leben als mühsam, anstrengend – als steten Kampf und Krampf.
Was meine ich mit diesem Rucksack?
Was dieses kleine „aber“ bewirkt
Zu meinem Credo gehört, von meinen Klientinnen und Klienten selbst zu lernen. Diese Haltung schärft mein Zuhören. Und manchmal höre ich Sätze wie diese:
„Ja, ich habe das wirklich gut gemacht, aber ich wurde trotzdem entlassen.“
„Ich bin stolz auf mich, aber schlussendlich hat es nichts gebracht.“
„Damals fühlte ich eine ungewohnte Kraft in mir, aber jedes Mal, wenn ich für mich einstehe, geht es schief.“
Spürst du beim Lesen diese Dynamik?
Dieses Aufbauen – und sofortige Abbauen?
Dieses ABER zieht nach unten. Bombastisch.
Etwas Gutes wird ausgesprochen – und im nächsten Moment relativiert, entwertet, zunichtegemacht.
Wenn Anerkennung sofort relativiert wird
Eigentlich heisst dieses „aber“ oft:
„In meiner Kindheit …“
„Aufgrund meiner Erfahrungen …“
„Ich habe halt gelernt …“
„Von früher weiss ich …“
Am Anfang des Satzes schenken sich meine Klientinnen und Klienten genau die Anerkennung, die sie sich von anderen wünschen.
Und am Ende – ohrfeigen sie sich selbst.
Mit diesem ABER machen sie sich systematisch zur Schnecke.
Eine mögliche Einladung
Byron Katie spricht davon, den Rucksack mit Altlasten abzulegen und fragt:
„Wer wäre ich ohne meine Geschichte?“
Übertragen auf die obigen Sätze bedeutet das:
„Ja, ich habe das wirklich gut gemacht.“ Punkt.
„Ich bin stolz auf mich.“ Stille.
„Damals fühlte ich eine Kraft in mir.“ Nichts weiter.
Den Punkt aushalten
Und jetzt?
Dieses Nichts ist kaum auszuhalten, nicht wahr?
Kein Erklären. Kein Relativieren. Kein Rückzug.
Wie man heute sagt: Glaube nichts – probiere es einfach aus.
Und noch etwas Wichtiges:
Ersetze das ABER nicht durch ein „doch“ oder etwas Ähnliches.
Dein Unbewusstes weiss ganz genau, dass es sich dabei um ein getarntes ABER handelt.
Und entsprechend – fühlt es sich auch nicht anders an.
Manchmal verändert ein Punkt mehr als jede Erklärung.