Was mein Hang zu Kontrolle mit Gesundheit zu tun hat
Auch ich gehöre zu den Menschen, die von klein auf gelernt haben, das Leben zu kontrollieren.
Den Alltag. Die Gefühle. Die Zukunft.
Kein „Mal schauen, was dieser Tag bringt“. Alles muss geplant sein. Durchdacht. Abgesichert.
So würde ich einen klassischen Verstandesmenschen beschreiben.
Doch genau dieses ständige Planen blockiert den Lebensfluss.
Das Leben wird anstrengend. Mühsam. Eng.
Vielleicht kennst du das auch:
Plötzlich fällt alles in sich zusammen. Nicht, weil du etwas falsch gemacht hast – sondern weil das Leben selbst spricht. Über deinen Körper.
Er kann nicht mehr.
Er spielt dieses nervenaufreibende Spiel der Daueranspannung nicht länger mit.
Leben ist das, was passiert, während wir eifrig dabei sind, andere Pläne zu machen.
John Lennon
Ständige kontrollieren zu wollen ist auf Dauer gesundheitsschädlich.
Stress pur – selbst dann, wenn dir dieses Leben scheinbar Spass macht.
Der Körper reagiert. Mit Muskelanspannung. Mit Härte. Mit Starrheit.
Nach und nach verliert er an Beweglichkeit, es entstehen muskuläre Dysbalancen.
Kopfschmerzen sind ein gutes Beispiel für ein Leben, das unter Kontrolle stehen soll.
Damit einher geht fast immer der Widerstand gegen das, was gerade ist.
Weil es nicht so läuft, wie du es dir vorgestellt hast.
Widerstand gegen das, was ist, ist immer gesundheitsschädlich.
Er erzeugt zuerst Spannung – und mit der Zeit Krankheit.
Du hast keinen Einfluss darauf, was dir widerfährt.
Aber du hast immer Einfluss darauf, wie du darauf reagierst.
In deiner Reaktion liegt:
- Kampf oder Frieden
- Stress oder Stille
- Langfristig: Krankheit oder Gesundheit
Es gibt zwei grundsätzliche Arten zu reagieren:
- die ängstliche, kritisierende, urteilende, kämpferische Art
- oder die liebevolle, friedvolle, verzeihende, unterstützende Art
Sei ehrlich mit dir: Welcher Typ bist du – im Moment?
Die kämpferische Art trennt dich.
Von anderen. Von dir selbst. Von der Liebe.
Sie macht einsam, müde und leer.
Die liebevolle, annehmende Art verbindet.
Spürst du den Unterschied?
Du nimmst an, was ist – was du ohnehin nicht ändern kannst – und tust dabei ganz nebenbei etwas für deine Gesundheit.
Ein paar einfache Beispiele:
- Wie reagierst du im Strassenverkehr, wenn dir jemand die Vorfahrt nimmt?
- Wie auf das Wetter, wenn du morgens aus dem Fenster schaust?
- Wie auf das Resultat deines Lieblingsvereins?
- Wie auf die Nachrichten?
Banale Situationen – und doch verraten sie viel über deinen inneren Zustand.
Sobald du angespannt bist, reagierst du eher ärgerlich. Und genau das kannst du als Barometer nutzen. Als Warnsignal deines Körpers.
Auf vieles haben wir physisch keinen Einfluss. Ein Stau bleibt ein Stau.
Und genau hier springt oft das Ego an:
Angst. Widerstand. Kontrolle.
Das Ego wehrt sich gegen das, was ist.
Es sagt: Das hier ist falsch.
Ich selbst habe das mit 24 Jahren erfahren.
Von einem Tag auf den anderen war ich gezwungen, Stunde für Stunde zu leben.
Planen war nicht mehr möglich.
Rückenschmerzen begleiteten mich sechs Jahre lang.
Sechs Jahre, bis ich bereit war für einen echten Wendepunkt.
In dieser Zeit lernte ich, meinem Körper zuzuhören. Zum ersten Mal in meinem Leben.
Davor hatte ich ihn übergangen. Mit Sport, Arbeit, Aktivität, Tempo – bis er die Notbremse zog.
Alles wurde mir genommen, sodass ich ganz auf mich zurückgeworfen wurde.
Ich lernte, wie mein Körper auf Belastung reagiert. Und ich schulte auch meinen Geist.
Ich übernahm Selbstverantwortung.
Wusste, dass es keine schnelle Lösung geben würde. Eine Operation kam für mich nicht infrage.
Ich lernte, mit meinem Körper zu leben – nicht gegen ihn.
Damals fragte ich mich:
Werde ich jemals eine Familie haben können?
Arbeiten können?
Mit Kindern spielen, Ski fahren, lachen, leben?
Ich nahm die Herausforderung an. Und lebte das Leben, wie es sich mir zeigte.
Mein damaliger Partner trug diesen Weg mit mir.
Dafür bin ich ihm bis heute tief dankbar.
Nach sechs Jahren begegnete ich Walter Packi. Seine damals revolutionären Übungen veränderten alles.
Innerhalb kurzer Zeit wurde ich beweglicher, mutiger – und schmerzfrei.
Mein Leben änderte sich grundlegend.
Ohne diese Erfahrung – ohne Biokinematik – stünde ich heute nicht hier.
Sie führte mich aus dem Kaufmännischen in die Gesundheitsbewegung.
Aus- und Weiterbildungen folgten.
Und seit über zwei Jahrzehnten begleite ich Menschen auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit.
Nicht durch Kontrolle.
Sondern durch Wahrnehmen.
Durch Fühlen.
Durch Zuhören.