Impulse & Wissen

Ich bin richtig

Nicht jeder Mann kommt ins Coaching, weil er etwas verändern will. Manche kommen, weil sie sich seit Jahren fragen, ob mit ihnen etwas nicht stimmt.

Ob sie Emotionen „richtig“ wahrnehmen. Ob sie angemessen reagieren. Ob sie vielleicht grundsätzlich anders sind.

Hinter dieser Frage steckt oft weniger ein Problem – als eine tiefe, stille Sorge: Bin ich falsch?

Das folgende Fallbeispiel zeigt, wie sich Selbstzweifel und Fehlerangst im Alltag auswirken können – und wie innere Sicherheit entstehen kann, ohne jemanden zu verändern.


Er war 62 Jahre alt.

Seine erste Anfrage bestand aus wenigen Worten:

„Autismus-Spektrum?“ Mit Fragezeichen.
„Wahrnehmungsstörungen Emotionen“

Keine Selbstdiagnose. Keine Festlegung, sondern eine leise Unsicherheit.

Auf meiner Website hatte ihn nicht primär das Wort „Coaching“ angesprochen, sondern die Verbindung von Bewegung und der Arbeit mit Sportlern.

Beim ersten Termin war er sehr nervös. Feuchte Hände. Ein wacher, prüfender Blick.

Mehrfach sagte er: „Mit Emotionen habe ich es nicht so.“

Und zwischen den Zeilen war noch etwas anderes deutlich spürbar: Ich will – und darf – keine Fehler machen!

Der innere Dauer-Scan

Im Verlauf wurde sichtbar, wie sehr ihn dieser Anspruch begleitet.

Im Gespräch. Im Beruf. Im Alltag.

Da ist ein ständiges inneres Überprüfen:

War das angemessen?
War das korrekt?
Habe ich etwas übersehen?

Aus einer tiefen Sorge, falsch zu sein.

Wenn Begriffe aus dem diagnostischen Bereich im Raum stehen, kann sich diese Sorge verstärken.
Plötzlich geht es nicht mehr nur um einzelne Situationen, sondern um die eigene Art zu sein.

Stimmt mit mir etwas nicht?

Diese Frage wurde nicht dramatisch gestellt. Aber sie war da.

Entlastung statt Bewertung

Zentral in diesem Prozess war die Entlastung vom Fehlerdenken.

Immer wieder die Klarstellung:

„Es gibt hier kein richtig und kein falsch. Und ich bin verantwortlich für den Verlauf – nicht du.“

Er musste nichts leisten. Nichts beweisen. Nichts „richtig machen“.

Nur sitzen und sprechen entsprach ihm wenig. In Sequenzen mit einfachen Ballübungen, in denen wir den Kopf „lüfteten“, veränderte sich etwas.

In der Bewegung wurde er freier. Wacher. Präsenter.

Und dort zeigte sich etwas, das zuvor kaum Raum hatte:

Sein Humor.

Wir begannen zu lachen. Nicht oberflächlich – sondern erleichtert.

Was sich wirklich verändert hat

Der Satz „Ich darf keine Fehler machen“ ist nicht vollständig verschwunden. Aber er bestimmt ihn nicht mehr.

Was sich verändert hat, ist grundlegender. Er erlebt sich heute nicht mehr als jemand, der überprüft werden muss.

Sondern als jemand, der richtig ist. Nicht perfekt. Nicht fehlerlos.

Aber richtig.

Ein schlichter Satz. Und doch ein grosser Schritt.

Vielleicht beginnt Entwicklung nicht mit einer Diagnose, sondern mit der Erfahrung:

Ich bin richtig.


Einordnung

Manche Männer kommen ins Coaching nicht aus Neugier, sondern aus Selbstzweifel.

Oft steht weniger ein konkretes Problem im Vordergrund als die Sorge, nicht zu genügen.

In solchen Prozessen geht es nicht darum, Persönlichkeit zu verändern, sondern darum, Druck zu reduzieren.

Und manchmal entsteht Entwicklung genau dort, wo jemand aufhört, sich permanent zu prüfen.

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